Startseite Econos Magazin Investitionen Pflanzenreste als Plastik-Alternative: Co-Founder von traceless materials im Interview

Plastik und Verpackungen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und treten in den verschiedensten Farben und Formen auf. Doch eines haben sie gemeinsam: Plastikverpackungen werden aus Erdöl hergestellt und haben damit negative Auswirkungen auf unseren Planeten. Das Startup traceless materials arbeitet an einem Biomaterial, das Plastik und Bioplastik ersetzen kann. Über Econos können Anleger:innen mittelbar in „traceless materials“ und dessen Plastik-Alternative investieren.

Traceless materials Mitgründerin Johanna Baare verrät im Interview mit Econos wo sie aktuell mit Ihrem Unternehmen stehen. Außerdem gibt Sie spannende Einblicke, welche Relevanz Venture Capital – für das Unternehmen hat und welche Pläne Sie und Ihr Team für die Zukunft haben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • traceless hat ein neuartiges Biomaterial entwickelt, das Plastik und Bioplastik ersetzen kann. Das Material wurde dabei mit Blick auf alle Indikatoren der Nachhaltigkeit entwickelt.
  • Das junge Unternehmen hebst sich durch den ganzheitlichen Ansatz ab – anders als viele als grün beworbene Technologien. Diese lösen zwar einen Aspekt des Problems, verursachen an anderer Stelle aber wieder ungewollte Nebeneffekte.
  • Das aus pflanzlichen Rohstoffe bestehende Material ist in großen Mengen verfügbar und mit bestehenden Maschinen kompatibel.
  • Sobald traceless auf industriellem Produktionsniveau ist, kann das Material zu einem Preis angeboten werden, der wettbewerbsfähig zu konventionellem Neukunststoff ist.

Guten Tag Frau Baare. Welches Problem löst traceless materials? Welchen Beitrag leistet Ihr Unternehmen bei der Bekämpfung des Klimawandels?

Baare: Bei traceless haben wir ein neuartiges Biomaterial entwickelt, das Plastik und Bioplastik ersetzen kann. Unsere Technologie ermöglicht es, aus pflanzlichen Reststoffen ein Material herzustellen, das unter natürlichen Bedingungen kompostierbar ist.

Wir haben dieses Material dabei mit Blick auf alle Indikatoren der Nachhaltigkeit entwickelt, einer der wichtigsten ist natürlich der Klimawandel: Oft wird vergessen, dass die Kunststoffindustrie durch ihre ressourcenintensive Produktion und die Nutzung fossiler Rohstoffe enorme Emissionen verursacht – laut Studien bis zu 19% des gesamten weltweiten 1,5°C-CO2-Budgets.

Im Vergleich zu Neukunststoffen sparen wir in Produktion und Entsorgung bis zu 87% dieser CO2-Emissionen. Darüber hinaus unterstützt traceless die Biodiversität, da es zu 100% frei von Plastik und schädlichen Chemikalien in Produktion und Produkt ist. Jedes Kilo traceless spart außerdem Land- und Wassernutzung. Da wir mit Reststoffen arbeiten, steht unsere Produktion nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.

Johanna Baare, COO und Co-Founder von traceless

Außerdem vermeiden wir Plastikabfälle, die potentiell in die Umwelt gelangen können und tragen so zur Lösung der Plastikverschmutzung bei. traceless kann Kunststoffe in einer Vielfalt von Produkten ersetzen, da es viele vergleichbare Eigenschaften hat – von Verpackungen, über Beschichtungen für Papier bis hin zu Einwegprodukten und Klebstoffen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Baare: Meine Mitgründerin Anne Lamp hat Verfahrenstechnik studiert und zum Thema Bioraffinierie promoviert. Dabei werden biobasierte und erneuerbare Ressourcen genutzt, um fossile Ressourcen zu ersetzen – und zwar möglichst alle Teile der Pflanze. Bereits im Studium hat Anne in ihrer Freizeit die Cradle to Cradle NGO unterstützt und so ein Wirtschaftskonzept proklamiert, in dem kein Abfall entsteht, da Materialien in technischen oder biologischen Kreisläufen zirkulieren.

Mit der Entwicklung von traceless hat Anne dann beides vereint. Die Biozirkularität aus Cradle to Cradle, und die Nutzung biobasierter Stoffe aus der Bioraffinierie. Anne und ich haben uns dann in einem Impact Incubator Programm kennengelernt. Ich war zuvor COO eines Social Impact Startups und hatte außerdem bereits einige Erfahrung bei der Skalierung von Geschäftsmodellen und Teams gesammelt.

Ich habe also mit meinem Business-Background auf das Thema geschaut: Wie können wir diese innovative Technologie schnell und erfolgreich auf den Markt bringen? So haben wir unsere Expertise vereint und gemeinsam traceless gegründet. 

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Wir sind breit aufgestellt und haben sicher ein passendes Investment.

Investmentübersicht

Ihr habt erst vor 2 Jahren gegründet – wo steht Ihr heute?

Baare: Wir sind mittlerweile ein Team aus 22 Mitarbeiter:innen, die aus verschiedenen Bereichen kommen: Bioverfahrenstechnik, Materialwissenschaft, Polymerchemie und Pilotproduktion. Natürlich auch Business Development, Finanzen und Marketing. Wir sind total stolz darauf, wie divers und motiviert unser Team ist.

Wir produzieren und forschen nicht mehr nur im Labor, sondern haben bereits eine erste Pilotanlage zur Materialproduktion gebaut. Hier erproben wir unser zum Patent angemeldetes Produktionsverfahren, und produzieren unsere Materialien in ersten größeren Mengen. Damit können wir noch dieses Jahr erste Pilotprodukte aus traceless testen – dafür arbeiten wir mit Partnern wie Otto oder Lufthansa.

Viele weitere Kunden sind motiviert, uns auf unserem Weg zu unterstützen und mit uns an der Entwicklung von Produktanwendungen zu arbeiten. Langfristig bieten wir traceless dann als Basismaterial in Form eines Granulats an, das von der Kunststoffverarbeitenden- und Verpackungsindustrie zu Endprodukten weiterverarbeitet werden kann. Auf diesem Weg kann es möglichst breit eingesetzt werden und soviel Neuplastik wie möglich ersetzen.

Baare: Das Thema Nachhaltigkeit und besonders die Plastikverschmutzung ist gerade hochaktuell. Besonders hier in Europa fängt auch die Gesetzgebung an, massive Anreize zu setzen. Die Suche nach Alternativen hat also auf allen Ebenen eine hohe Dringlichkeit.

Was uns aber abhebt, ist unser ganzheitlicher Ansatz. Viele als grün beworbene Technologien lösen zwar einen Aspekt des Problems, verursachen an anderer Stelle aber wieder ungewollte Nebeneffekte. Das führt zu großer Verwirrung, nicht nur in der breiten Gesellschaft sondern auch bei den Hersteller:innen.

Durch unseren Ansatz, von Beginn an möglichst viele Aspekte zu betrachten, können wir heute eine ganzheitliche Lösung anbieten. Dadurch können wir transparent kommunizieren und auch persönlich voll hinter traceless stehen – ich denke, dass wir dadurch einfach auch sehr glaubwürdig sind.

Johanna Baare, COO und Co-Founder von traceless

Der Plastikmarkt ist ein umkämpfter und stark preisgetriebener Markt. Wie könnt Ihr euch als junges Unternehmen behaupten?

Baare: Zunächst durch einen disruptiven Ansatz. Der Markt hat sich lange kaum bewegt, was innovative Technologien angeht. Selbst das meiste „Bioplastik“ entstammt immer noch dem Denken einer Chemieindustrie, die Stoffe synthetisch aus Erdöl herstellt. Der Ansatz, stattdessen einfach mit natürlichen Stoffen zu arbeiten, wurde jahrzehntelang kaum beachtet.

Entscheidend für den langfristigen Erfolg wird aber natürlich ein wettbewerbsfähiger Preis und den erreichen wir durch eine schnelle Skalierung unserer Kapazitäten. Plastik ist schließlich auch deswegen so günstig, weil es weltweit in riesigen Mengen hergestellt wird.

Auch wenn wir heute noch eher am Anfang stehen – traceless hat das Potential zur Skalierung: Unsere Technologie ist effizient und umweltfreundlich, die pflanzlichen Rohstoffe mit denen wir arbeiten sind in großen Mengen verfügbar und unsere Materialien sind kompatibel mit bestehenden Maschinen der Weiterverarbeitung. Sobald wir auf industriellem Produktionsniveau sind, können wir traceless zu einem Preis anbieten, der wettbewerbsfähig zu konventionellem Neukunststoff ist.

Ist Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg Eurer Meinung nach miteinander vereinbar?

Ja, insofern dass wirtschaftlicher Erfolg eine notwendige Bedingung ist, um das Potential einer nachhaltigen Idee auch zu realisieren. Was nützt unserem Planeten eine innovative grüne Technologie, wenn sie nicht am Markt erfolgreich ist, und dadurch weniger nachhaltige Lösungen ablöst – und zwar nicht nur punktuell, sondern wirklich in der Breite? Dafür ist ein tragfähiges Geschäftsmodell unumgänglich.

Perspektivisch müssen wir unser Wirtschaftssystem dahingehend transformieren, dass wir diese Frage gar nicht mehr als Entweder-Oder diskutieren können, sondern dass immer beide Kriterien zusammen betrachtet werden:

Nachhaltigkeit muss sich als Treiber für wirtschaftlichen Erfolg etablieren, während umweltschädliches Handeln sich auch wirtschaftlich nicht mehr lohnen darf. Dafür müssen wir gemeinsam die Rahmenbedingungen schaffen, hier sind auch Politiker:innen, Investierende und die Öffentlichkeit gefragt.

Johanna Baare, COO und Co-Founder von traceless

Der Below One Fund von Planet A ist in Euch investiert und somit mittelbar auch Anleger:innen über Econos – diese sind natürlich besonders am Erfolg von traceless interessiert. Welche Rolle spielt Impact Venture Capital für Euch?

Eine wichtige Rolle! Dass Investierende mehr Verantwortung übernehmen müssen und bei der Evaluation eines Unternehmens nicht nur die ökonomische, sondern auch die ökologische Dimension einfließen sollte, ist mittlerweile für viele Konsens. Offen ist: Wie genau wird dieser Impact gemessen?

Planet A evaluiert Start-Ups anhand einer umfassenden Lebenszyklusanalyse (LCA). Dort werden neben Klimaauswirkungen auch Indikatoren wie Energiebedarf, Land-/Wassernutzung und abiotische Ressourcen betrachtet. So entsteht ein ganzheitliches Bild der Umweltauswirkungen eines Geschäftsmodells.

Die LCA war für uns aus mehreren Gründen wertvoll:

  1. So konnten wir überhaupt einmal sehen, wo wir stehen und dass unser Ansatz tatsächlich in allen Indikatoren nachhaltig ist. Eine Ökobilanz ist aufwändig und als junges Startup hätten wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht in dem Umfang stemmen können.
  2. Außerdem konnten wir Optimierungspotentiale erkennen und diese direkt einfließen lassen.
  3. Mit der LCA konnten wir uns gegenüber dem Wettbewerb positiv abheben und unser Potential voll aufzeigen – das hat nicht nur Planet A überzeugt, sondern hilft uns auch in der Außenkommunikation.

Zusammenfassend: Wir möchten nicht nur an unserem wirtschaftlichen Erfolg gemessen werden, sondern auch am ökologischen Einfluss – Impact Venture Capital ermöglicht, dass dieses Ziel im Einklang mit unseren Investierenden steht.

Welche Rolle spielt traceless für jeden einzelnen (Verbraucher)? Können Econos-Anleger:innen zu Eurem Erfolg beitragen oder Euch in irgendeiner Weise unterstützen?

Das Bewusstsein der Verbraucher:innen für ökologischen Konsum ist in den letzten Jahren rapide gestiegen. Wir finden es bei allem Lob für diese Entwicklung wichtig, die Verantwortung zunächst auch bei den herstellenden Firmen zu sehen. Unser Basismaterial ermöglicht Hersteller:innen, ihren Kund:innen nachhaltige Lösungen anzubieten. Mit traceless können alle Beteiligte sicher sein, nicht zur Plastikverschmutzung beizutragen und eine ganzheitlich nachhaltige Wahl zu treffen.

Aktuell bauen wir unsere Kapazitäten aus, damit unsere Materialien schnellstmöglich den breiten Markt erreichen. In dieser Phase ist der Kapitalbedarf natürlich hoch und wir werden von vielen Privatanleger:innen angesprochen, inwiefern sie uns mit ihrem Kapital unterstützen können. Econos bietet dafür eine erste, mittelbare Möglichkeit. Angesichts der Nachfrage denken wir natürlich darüber nach, in Zukunft die Möglichkeiten in Richtung Crowdfunding auszubauen.

Fazit: Klimatechnologien werden die Welt nachhaltig verändern und bieten große Chancen für Investor:innen

Das Interview mit Johanna Baare zeigt, dass es klimafreundliche Alternativen für herkömmliche Produkte bereits gibt und diese auch nicht mehr aufzuhalten sind. Es liegt jedoch an den jeweiligen Industrien, Politiker:innen und auch Investor:innen, wie schnell Produkte wie traceless konkurrenzfähig sind und sich auf dem Markt durchsetzen werden. Anleger:innen, die in traceless investieren wollen, können das mittelbar über den Below One Fund von Planet A. In jedem Fall sollten Sie sich vorher aber mit Venture Capital und dem Investment auseinandersetzen und sowohl die Chancen, als auch Risiken betrachten

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